Reifenwechsel

Was tun wenn der Reifen platt ist? Im Normalfall ist es kein Problem, man nutzt den Schutzbrief seiner Versicherung oder hat eine Mitgliedschaft beim Pannenclub seiner Wahl. Steht man gerade in der Pampa kann man mit dem Platten in der Regel noch vorsichtig im Fahrradtempo bis zur nächsten Straße fahren und sich einsammeln lassen.

Was aber wenn man auf Tour im tiefsten Mecklenburg ist? Wenn der Abschlepper kommt, nimmt er das Motorrad natürlich gerne mit, aber die geplante Tour ist beendet. Also, selber machen und gerade bei Reiseenduro und Enduro bietet es sich wirklich an. Die Felgen sind robust und die Reifen weit entfernt von den Walzen der Supersportler. Den Schlauch zu wechseln oder zu flicken ist keine Raketenwissenschaft und die Tour ist gerettet.

Das passende Werkzeug habe ich hier schon vorgestellt. Die Anleitung ist für Vorder und Hinterrad, ich gehe aber auf die Demontage der Räder nicht weiter ein. Bei Bedarf kann man sich für einen schmalen Taler wie ich eine „Trainingsfelge“ zulegen, diese stelle ich auch gerne zur Verfügung. Dann sitzen die Handgriffe wenn es drauf ankommt.

Ausbau

Als erstes löst die Muttern der Achse ein wenig. Um in diesem Fall das Hinterrad hinten frei zubekommen gibt es viele Möglichkeiten. Man kann die Enduro auf die Seite legen, eine Krücke nehmen oder einen Baumstumpf nutzen. Ich zeige es hier mit einem Spanngurt. Dafür benötigt man nur einen Befestigungspunkt, am besten auf Lenkerhöhe, z.B. einen Zaunpfahl, Laterne, Baum oder einen Strommast. Die Enduro wird einfach über den Seitenständer leicht angekippt, das Vorderrad bleibt am Boden und das Hinterrad hebt sich ein wenig. Ist das Rad frei könnt ihr die Achse ausbauen. Achse und Abstandshülsen möglichst sauber ablegen.

Wenn das Rad ausgebaut ist kann es losgehen. Ventil rausschrauben und die Haltemutter vom Ventil entfernen.

Im nächsten Schritt geht es darum den Reifen von beiden Seiten ins Felgenbett zu drücken. Er soll also möglichst locker und im Idealfall etwas mittig auf der Felge sitzen. Das nimmt die Spannung aus dem Reifen und erleichtert die Arbeit.

Dafür gehe ich ringsum mit der flachen Seite des Montierhebels und drücke den Reifen ins Tiefbett. Rad umdrehen und auch von der anderen Seite einmal den Reifen vom Felgenbett lösen. Ist er einmal gelöst können wir den Reifen auch mit der Hand in die Felgenmitte drücken. Zur Hilfe steckt man den Reifenuntenhalter/Bead Buddy auf.

Jetzt kann der Reifen von der Felge gezogen werden, dazu vorsichtig den Montierhebel zwischen Reifen und Felge einführen (auf den Schlauch achten) und Richtung Felgenmitte drücken. Das ganze mit ein bis zwei weiteren Montierhebeln wiederholen. Kleine Montierhebel lassen sich bequem hinter das Kettenrad klemmen. Den Rest lässt sich in der Regel mit der Hand nach vorne ziehen. Wenn nicht, mit den Hebeln weiter ringsum gehen.

Um unterwegs einen Schlauch zu flicken oder zu wechseln reicht es vollkommen aus eine Seite von der Felge zu ziehen. Der Schlauch kann jetzt bequem entfernt werden.

(Muss der Reifenkomplett runter steck ihr einfach die Montiereisen vorsichtig durch und drückt den Reifen von der Felge. Zum Aufbauen Reifen auf die Felge legen, mit den Knien ein Seite fixieren und Stück für Stück drauf hebeln. Vorsicht hier ist geduld gefragt.)

Wichtig vor der Montage des Schlauches ist es auch die Ursache für die Beschädigung zu finden. Darum müssen Felge, Felgenband und vor allem der Reifen von innen kontrolliert werden.

Einbau

Wenn der Schlauch wieder in Ordnung ist, geht es an den Einbau. Dazu kann man dem Schlauch noch eine Priese Talkum spendieren und den Reifen später mit Reifenmontagepaste einstreichen. Für den Einbau des Ventils nutze ich ein Einziehwerkzeug. Dazu als erstes das Messingende in die Felge einsetzen und wie auf den Bildern zu sehen durch die Felge fädeln. Danach den Schlauch mit Ventil vorsichtig und sorgfältig ins Felgenbett legen und das Ventil einziehen.

Ist das Ventil eingezogen wird es mit der Haltemutter gesichert, schraubt die Mutter nur lose an. Dann merkt ihr wenn sich der Schlauch im Reifen zu sehr verzieht. Baut man einen neuen Schlauch ein, kann auch das eigentliche Ventil eingeschraubt werden um den Schlauch etwas mit Luft zu füllen. Er lässt sich dann besser in Form bringen. Bei alten Schläuchen geht es auch ohne. Der Sitz des Schlauches wird noch einmal sorgfältig kontrolliert und dann der Reifen auf die Felge montiert.

Mit der gebogenen Seite der Montierhebel wird nun der Reifen in die Felge „gehebelt“. Man nimmt zwei Hebel im Abstand von ca. 20cm und drückt den Reifen in die Felge. Jetzt kann man den Reifenhalter aufstecken, der dafür sorgt das der Reifen nicht wieder von der Felge rutscht. Wichtig bei der Montage ist, dass der Reifen mit der bereits in der Felgen sitzenden Seite wieder möglichst weit im Tiefbett sitzt (Felgenmitte). So wird wieder unnötige Spannung im Reifen vermieden und die Montage gestaltet sich einfacher. Der Reifen wird jetzt wieder umlaufend auf die Felge gehebelt wobei die Abstände zwischen den Monierhebeln zum Ende immer kleiner zu wählen sind. Die Spannung nimmt auf dem letzten Stück noch deutlich zu. Immer mal wieder prüfen ob der Reifen auf der gegenüberliegenden Seite auch im Tiefbett ist. Es kann helfen mit zwei Hebeln parallel anzusetzen um den Reifen Final in die Felge zu bekommen.

Als einer der letzten Punkte muss dann Luft in den Reifen. Schaut noch einmal, dass der Schlauch nirgends zwischen Felge und Reifen klemmt und das Ventil spannungsfrei sitzt (Die Mutter handfest gegen die Felge schrauben). Mit einer guten Handpumpe hat man den Reifen schnell aufgepumpt und mit ca. einem Bar geht es locker bis zur nächsten Tankstelle.

Jetzt noch das Rad einbauen und das Motorrad ist wieder einsatzbereit.

Tipps:

Anhaltspunkte Drehmomente für die Radmontage einer Enduro (Bsp. Honda CRF 250 Rally). Hinterachsmutter 85Nm, Steckachse vorne 75Nm, Klemmschrauben Vorderachse 20Nm. Die Hinterachse der Yamaha Tenere 700 bekommt 105Nm.

Versucht Felgennabe und Achse vor Schmutz zu schützen (Lappen, Taschentücher, Motorradjacke). Im Zweifel lieber Wiese als Schotterpiste.

Warme Reifen lassen sich einfacher montieren, je nach Außentemperatur hilft es Rad/Reifen einfach 15 Min. in die Sonne zu stellen.

Baut ihr neue Reifen auf steigt der Schwierigkeitsgrad, hier sollte zumindest ein langes Montiereisen (Tire Lever) zur Verfügung stehen.

Ich habe für meine schwarzen Felgen noch zwei Felgenschoner dabei.

Wenn ihr einen Ersatzschlauch mitnehmen wollt, am besten den vom Vorderrad (z.B. 21 Zoll). Dieser lässt sich im Fall der Fälle auch hinten für ein 18 Zoll Rad verwenden.

Üben…nach der zweiten Montage verliert der Plattfuß seinen Schrecken. Ich biete euch hier gerne eine Übungseinheit mit einer Übungsfelge an. Quasi den Grundkurs. Kann man natürlich mit einer kleinen Tour verbinden.